Statement vom geschäftsführenden Vorstand der Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus, Jürgen Micksch, zum heutigen UN-Tag gegen Rassismus:

Wenn Rassisten einen Schweinekopf vor eine Moschee legen oder lärmend und protestierend durch einen Ort ziehen, dann können sie mit einer Beachtung in der ganzen Republik rechnen. Wenn Tausende Ehrenamtliche und engagierte Kommunen Hunderte Veranstaltungen gegen Rassismus durchführen, dann ist das eher eine Randnotiz.

Über rassistische Angriffe auf Flüchtlingswohnheime und Moscheen muss berichtet werden. Und sie müssen auch so benannt werden. Auch die mehr als 1.600 friedlichen Veranstaltungen sollten Beachtung finden, die in den UN-Wochen gegen Rassismus vom 10. bis 23. März 2016 stattgefunden haben und weiter stattfinden.

Zum UN-Tag gegen Rassismus erwarte ich von den Medien kritische Analysen, welche Beiträge zur Überwindung von Rassismus wirksam sind. Seit Jahren gibt es bundesweit immer mehr kreative Veranstaltungen, die in unserem aktuellen Veranstaltungskalender unter www.internationale-wochen-gegen-rassismus.de einsehbar sind. Für jeden Ort kann nachgelesen werden, welche Veranstaltungen gemeldet wurden.

Vor allem Kommunen und Flüchtlingsgruppen sind in diesem Jahr aktiv. Aber warum stagnieren die Beiträge von Schulen? Hunderte von Moscheegemeinden haben sich in Ansprachen zum Freitagsgebet dem Rassismus gewidmet – doch warum hört man wenig von Kirchengemeinden? Warum lehnen katholische Gremien eine Förderung der UN-Wochen gegen Rassismus ab? Seit Jahren nehmen die Veranstaltungen gegen Rassismus zu. Aber warum geht das Engagement von Betrieben zurück? Warum gibt es kaum Veranstaltungen der politischen Parteien – einmal abgesehen von der Rechtsextremismuskommission bei Bündnis 90/Die Grünen? Dabei ist Rassismus der Nährboden der Erfolge für die AfD. Bis heute hat die SPD den Rassismus ihres Mitgliedes Thilo Sarrazin nicht aufgearbeitet – entsprechende Anregungen von uns wurden mit Schweigen beantwortet. Das sind einige Themen, die zum UN-Tag gegen Rassismus thematisiert und diskutiert werden sollten.

Als Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus und als Interkultureller Rat freuen wir uns, dass europaweit mit Abstand die meisten Veranstaltungen in Deutschland stattfinden. Noch nie gab es hier mehr Veranstaltungsmeldungen als in diesem Jahr. Das prägt das insgesamt positive Klima zu Flüchtlingen und Muslimen. Aber es ist viel zu tun, damit der antimuslimische Rassismus nicht ständig weiter zunimmt und die Angriffe auf Flüchtlingswohnheime endlich aufhören. Dahinter steckt ein Rassismus, der ein Nährboden für die AfD, NPD und gewaltbereite Rechtsextremisten ist.

Das vielfach große Engagement vor Ort sollte zum UN-Tag gegen Rassismus gewürdigt werden. Vielleicht kann an diesem Tag einmal darauf verzichtet werden, den unbelehrbaren Demonstranten in Dresden eine Plattform zu bieten und sie dadurch medial zu fördern – stattdessen könnte das aktuell eindrucksvolle Engagement der Stadt Dresden gegen Rassismus dargestellt werden. Wo Medien die Arbeit der Gruppen vor Ort bekannt machen, da tun sie etwas gegen Rassismus.

In Deutschland erleben wir ein in unserer Geschichte beispielhaftes Engagement gegen Rassismus, das zum UN-Tag gegen Rassismus gewürdigt werden kann. Zugleich ist viel zu tun, um den Rassismus in der Mitte der Gesellschaft abzubauen.


http://www.internationale-wochen-gegen-rassismus.de/stiftung

 

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