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Deutscher Pflegetag 2018 – kein Tag wie jeder andere

Ein Gastbetrag von Sandra Leurs [9]

Vom 15. bis 17.03.2018 fand der Deutsche Pflegetag [1] in Berlin statt. Eine gute Gelegenheit, mit wichtigen Leuten im Bereich Pflege – dem Thema der Zukunft in Sachen Sozialpolitik – in Kontakt zu kommen und auf wichtige programmatische Inhalte der PIRATEN aufmerksam zu machen. Ein Bericht von Sandra Leurs, Kommunalpolitikerin aus Krefeld und Expertin für Pflege.

Mein Besuch in Berlin fing total holprig an. Ich Technik-Freak hatte im Flieger erstmal mein Handy so konfiguriert, dass weiterer, sinnvoller Gebrauch unmöglich wurde. Außerdem war mein Hotelzimmer irrtümlich storniert worden.

Jens Spahns Auftritt

Durch diese Anlaufschwierigkeiten wurde meine persönliche Planung leider komplett über den Haufen geworfen. Das hatte zur Folge, dass ich die Rede des neuen Bundesgesundheitsministers Jens Spahn nicht live miterleben konnte. Im Nachhinein bekam ich aber von Teilnehmern der Veranstaltung einen Bericht. Es muss wohl sehr still im Saal gewesen sein, mit eher verhaltenem Applaus. Die Pflegecommunity war und ist vor allem in den sozialen Netzwerken sehr ungehalten über das von Spahn Gesagte. Immerhin…

…ein sachkundiger Bundesbeauftragter für die Pflege ist in Sicht.

Dies war die beste Nachricht des Tages. Andreas Westerfellhaus [2], ehemaliger Vorsitzender des Deutschen Pflegerates, und damit jemand der weiß, wovon er redet, wurde zum Bundesbeauftragten für die Pflege nominiert. Er muss noch vom Bundestag bestätigt werden.

Er hatte mich bereits am Mittwoch, dem 14.03.2018, angeschrieben und ein Treffen vorgeschlagen. Diese Einladung, über die ich hocherfreut war, zeigt, dass die Meinung der PIRATEN in Sachen Pflege sehr gefragt ist. Das Gespräch fand dann am Freitag, dem 16.03.2018 statt. Wir trafen uns in der Messehalle, in der eine Ausstellung von Initiativen für Pflege, über Digitalisierung, Robotik bis e-health mit Angeboten von verschiedenen Unternehmen zu sehen war. Dazu später mehr.

Wir schlenderten ein Stück gemeinsam an den Ständen vorbei und er zeigte sich erfreut über die neue Aufgabe. Nächsten Mittwoch soll schon die Arbeit beginnen. Westerfellhaus mahnte allerdings zur Geduld, denn es ginge nicht alles von Heute auf Morgen. Aber er versprach, notwendige Dinge anzupacken; vor allem die heißen Eisen Personalschlüssel, Entlohnung und Arbeitsbedingungen. Ich erzählte ihm von unseren pflegepolitischen Inhalten im Bundestagswahlprogramm [3], und er hörte interessiert zu. Ich bot ihm unser Wahlprogramm zum Nachlesen an. Wir bleiben weiter in Kontakt und werden uns austauschen.

Weitere Kontakte

Wichtige Gespräche gab es auch mit Elisabeth Scharfenberg, ehemalige MdB der GRÜNEN und Pflegepolitikerin. Sie freute sich sehr, mich persönlich zu treffen. In unserem Gespräch zu den Problematiken der Pflege in Deutschland mussten wir am Ende konstatieren, dass der Kampf um Verbesserungen ein mühsamer sein wird. Parteiübergreifende Zusammenarbeit ist dringend erforderlich, um erst einmal die zum Teil gravierenden Missstände abzubauen. In diesem Konsens gingen wir auseinander.

Die meiste Zeit des Donnerstags verbrachte ich mit einigen Mitgliedern von „Pflege in Bewegung“[41]. Den Gedankenaustausch mit diesem eingetragenen Verein empfand ich sowohl als interessant als auch aufschlussreich.

Persönlich kennengelernt habe ich die Initiatorin vom „CareSlam!“ [5] in Berlin, Yvonne Falkner. Sie veranstaltet regelmäßig Slam-Abende rund um Pflege und hat es mit einer Sequenz aus ihrem Programm bis in „Die Anstalt“ (ZDF) geschafft.

Außerdem gab es eine persönliche Begegnung mit Marcus Jogerst-Ratzka. Er hat am Buch von correktiv.org mitgearbeitet und betreibt eine kleine Senioreneinrichtung in der Nähe von Offenburg. Das Buch „Jeder pflegt allein“ [6] hat 2016 wie eine Bombe eingeschlagen. Ich habe es gelesen und nichts gefunden, das als geschönt oder übertrieben dargestellt bezeichnet werden könnte.

Neben vielen anderen traf ich noch Jörg Benter. Er betreibt eine Beratungsfirma für Dienstplanung, Zeitmanagement und kollegiale Beratung. Dazu gibt er Seminare. Außerdem bietet er Fachberatung zu Themen wie systemische Beratung und systemisches Coaching an.

Wir unterhielten uns über Arbeitszeitmodelle. Meine Idee, 6 Stunden als Vollzeit in der Pflege zu etablieren (in einer 5-Tage-Woche im Rollsystem bei vollem Lohnausgleich), hält er für schwer umsetzbar. Das würde mehr Personal erfordern und höhere Gehälter bedeuten. Damit hat er wohl recht. Andererseits – wie sagte Gustav Heinemann, der dritte Bundespräsident Deutschlands, einst?

„Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den Schwächsten ihrer Glieder verfährt.“

So gesehen sollten die politisch Verantwortlichen nicht länger davor zurückscheuen, unsere Gesellschaft „aufzuwerten“, indem sie etwas mehr Geld für die Bedürfnisse der Schwächsten in die Hand nehmen.

Benter präsentierte mir seine eigene Idee, wie Pflegekräfte im #Pflexit zurückgeholt werden können. Sie sollen so arbeiten dürfen, wie sie wollen; 2 Stunden am Tag oder 24 Stunden, dann einen Tag frei. Kurz und knapp gesagt, plädiert er für einen „selbstbestimmten Dienstplan.“ Wie ich finde, eine guter Ansatz. Aber auch diese Idee dürfte im aktuellen Pflegesystem schwer umsetzbar sein.

Sehr erfreut war ich, als ich Corinna Seegert persönlich kennenlernte. Wir kannten uns bislang nur über twitter und facebook. Als Krankenschwester hat sie eine erfolgreiche Zusatzausbildung zur Diplombetriebswirtin (VWA) absolviert. Außerdem ist sie Dozentin für Pflegeberufe, Qualitätsmanagerin, Case-Managerin und Pflegeberaterin nach § 7a, SGB XI.

Weitere wichtige Kontakte: Noch zwei Personen gilt es kurz zu erwähnen; Monja Schünemann, ihres Zeichens Bachelor der Pflegehistorik und Bloggerin[7], sowie Diana Leisering von „Pflege am Boden Köln“. Sie ist außerdem Mitstreiterin bei „Pflege in Bewegung e.V.“. Wir kennen uns schon länger aus Köln.

Pflege, Piraten und Robotik

Es gab auch sehr anregende Gespräche am Stand des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Referat 524, Technik, Interaktionen mit demografischem Wandel. Dort war unter anderem der Roboter „Pepper“[8] zu besichtigen. Ich trug meine Anstecknadel „Piratenpartei“ gut sichtbar. Zuerst der Spruch: „Wie, die Piratenpartei gibt es noch?“ Dann aber auch Freude, weil ich mich ja mit Robotik in der Pflege beschäftige, die in Zukunft nicht außer Acht gelassen werden darf. Ich erzählte von meinem Freund Matthias Melcher, der einen etwas kleineren Roboter gebaut hat und damit schon in einer Senioreneinrichtung in Krefeld für Furore sorgte.

Ein digitales Dokumentationssystem war ebenfalls mit einem Infostand vertreten, Senso ist so ein digitales System, mit dem ich von 2002 bis 2010 schon gearbeitet habe.Hier gab es eine rasante Entwicklung und das neue SIS System steckt auch in Senso.

Ein Mitarbeiter des Infostandes nahm einen meiner Flyer und sagte, die Piratenpartei sei sehr wichtig. Auch er war unsicher, ob wir überhaupt noch arbeiten. Ich sagte: „Eine der Arbeitsbienen steht vor Ihnen.“

Fazit: Networking ist nicht weniger anstrengend aber genauso wichtig wie vier Stunden Pflege am Tag.

Einen ausführlicheren Bericht zum Pflegetag gibt es bald in meinem Blog.[9]

Sandra


Quellen/Fußnoten:

[1] Deutscher Pflegetag 2018 https://deutscher-pflegetag.de/

[2] Vita Andreas Westerfellhaus https://www.aerztezeitung.de/kongresse/kongresse2012/berlin2012-hauptstadt/article/815209/pflege-draengt-eigenstaendigkeit.html?sh=3&h=-1141196594

[3] Pflegeprogramm zur BTW17 https://wiki.piratenpartei.de/Bundestagswahl_2017/Wahlprogramm#Pflegequalit.C3.A4t_und_Pflegesicherheit

[4] Pflege in Bewegung https://www.pflegeinbewegung.de/

[5] CareSlam! https://www.careslam.org/

[6] Jeder pflegt allein von Daniel Drepper – Fachbuch – buecher.de ISBN Nummer: 9783981740011

[7] Blog Monja Schünemann, https://monjaschuenemann.wordpress.com/

[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Pepper_(Roboter)

[9] Blog Sandra Leurs https://sandraleursalternativpflege.wordpress.com/

 

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